Pflanzabstände in Baden-Württemberg


Grundsätzlich müssen alle Pflanzen Grenzabstände einhalten: Bäume, Sträucher (auch sogenannte Halbsträucher), Schlinggewächse wie Knöterich und sogar solche Pflanzen, die sich von selbst ausgesät haben ("Wildlinge"). Das hat seinen guten Grund: Respektierte Pflanzabstände können dabei helfen, Nachbarstreitigkeiten zu vermeiden. Deshalb sollten Sie gesetzliche Vorschriften über Pflanzabstände ernst nehmen.
 
Bei der Ermittlung des erforderlichen Grenzabstands für eine bestimmte Pflanze müssen Sie zwischen Hecken, Obst- und Nutzgehölzen sowie Ziergehölzen unterscheiden. Hinter geschlossenen Einfriedungen müssen keine Grenzabstände eingehalten werden, wenn die Pflanze den Zaun nicht überragt. Ein Lattenzaun, bei dem die Latten breiter als die Zwischenräume sind, wird vom Gesetz als "geschlossen" bezeichnet.
 
1. Hecken:
 
Hecken bis 180 cm Höhe müssen einen Grenzabstand von 50 cm einhalten. Bei höheren Hecken wird der Abstand nach der Formel "Tatsächliche Höhe der Hecke abzüglich 130 = Abstand" ermittelt. Beispiel: Eine 210 cm hohe Hecke muss einen Abstand von 80 cm einhalten (210-130=80).
 
Beachten Sie folgende Besonderheit: Auf Grundstücken außerhalb geschlossener Wohnbezirke muss die Hälfte des erforderlichen Grenzabstands tatsächlich von Zweigen frei bleiben! Wie üblich wird der Abstand zwar vom Stamm der Heckenpflanze aus gemessen. Aber die Zweige der Hecke dürfen nicht bis an die Grenze reichen. Hier muss regelmäßig geschnitten werden! Auf Grundstücken innerhalb geschlossener Wohnbezirke (wo also auf fast allen Grundstücken Wohnhäuser stehen) und im Geltungsbereich eines Bebauungsplans dürfen die Zweige dagegen bis an die Grenze wachsen.
 
2. Obst- und Nutzgehölze:
 

Steinobst und Kernobst Schalenobst Sträucher
bis 400 cm Höhe ab 400 cm Höhe stark-
wüchsige Sorten
veredelt nicht veredelt bis 180 cm Höhe ab 180 cm Höhe
Grenz-
abstand:
2 m
Grenz-
abstand:
3 m
Grenz-
abstand:
4 m
Grenz-
abstand:
4 m
Grenz-
abstand:
8 m
Grenz-
abstand:
50 cm
Grenz-
abstand:
2 m
In der bebauten Ortslage gilt bei Pflanzungen bis zu drei Stück die Hälfte dieser Werte.          

 
Zusätzlich: Einzeln stehende großwüchsige Bäume dürfen in der bebauten Ortslage mit 6 m Abstand gepflanzt werden. Diese Regelung ist weniger kompliziert als es scheint! Sie benötigen hierfür allerdings einige botanische Kenntnisse: Ist die Pflanzenart, um die es Ihnen geht, starkwüchsig? Ist sie veredelt? Diese Informationen gibt Ihnen notfalls ein Gärtner. Sonderregeln gibt es für Waldgrundstücke, Weinberge, Hopfenanbau und Erwerbsgartenbau.
 
3. Ziergehölze:
 
Bäume Sträucher
großwüchsige
Arten
artgemäß mittel-große oder schmale Bäume übrige bis
4 m Höhe
übrige ab
4 m Höhe
bis 180 cm Höhe ab 180 cm Höhe
Grenz-
abstand:
8 m
Grenz-
abstand:
4 m
Grenz-
abstand:
2 m
Grenz-
abstand:
3 m
Grenz-
abstand:
50 cm
Grenz-
abstand:
2 m
  In der bebauten Ortslage gilt bei Pflanzungen von bis zu drei Stück die Hälfte dieser Werte.        

 
Zusätzlich: Einzeln stehende großwüchsige Bäume (nicht Nadelbäume!) dürfen in bebauter Ortslage mit 6 m Abstand gepflanzt werden. Die wichtigste Frage lautet also: Handelt es sich um eine großwüchsige oder eine mittelgroße Pflanze? Das Gesetz nennt Beispiele:
 
Großwüchsige Bäume: echte Kastanie, Rosskastanie, Pappel, Linde, Ahorn, Platane, Eiche, Buche, Esche; großwüchsige Nadelbäume Mittelgroße oder schmalwüchsige Bäume: Birke, Weißdorn, Robinie, Weißbuche, Erle, Salweide, Zierkirsche, Zierapfel, Eberesche, Zierpflaume; Blaufichte, Serbische Fichte, Thuja
 
Falls eine Streit-Pflanze nicht in dieser Liste erfasst ist und Sie sie in keine der vorhandenen Kategorien einordnen. können, sollten Sie sich bei einem Gärtner erkundigen und sich dann mit dem Nachbarn verständigen. Wenn nämlich ein solcher Fall vor Gericht kommt, wird oft ein teurer Sachverständiger bemüht. Wer den Prozess verliert, muss dann die Kosten tragen.
 
4. Rechtsfolgen bei Verstößen gegen die Abstandsvorschriften:
 
Grundregel: Steht eine Pflanze zu dicht an der Grenze, muss sie beseitigt werden.
 
Aber: Bei Hecken darf nicht die Beseitigung, sondern nur ein Rückschnitt auf die dem Abstand entsprechende Höhe und auf den richtigen Seitenabstand der Zweige verlangt werden. Bei Beerenobst, Ziersträuchern, kleinwüchsigen Kern- und Steinobstgehölzen darf nur die Verkürzung in der Höhe verlangt werden!
 
Der Anspruch auf Beseitigung (nicht der Anspruch auf Rückschnitt) verjährt in 5 Jahren. Diese Frist beginnt mit dem auf das Pflanzdatum folgenden 1. Juli. Sind die Pflanzen an Ort und Stelle gezogen worden, beginnt die Frist mit dem 1. Juli des zweiten Entwicklungsjahres.
 
Ein Rückschnitt darf nicht verlangt werden zwischen dem 1. März und dem 30. September.
Quelle: http://www.kanzlei-prof-schweizer.de/msg/content/pflanzabstaende/index.html









last update 24.04.2005
webmaster